Willkommen zu unserer dritten Etappe: Litauen. Die meiste Zeit hatten wir sehr schönes Wetter, nur einmal in Nida und am Ende in Vilnius kehrten die Wolken zurück. Doch der Regen währte nur kurz.
Bevor ich die Fotos sichtete, hatte ich von diesem dritten Teil die wenigsten Erinnerungen parat: Da war die Nehrung, Kaunas, dann Vilnius, aber war noch was? - Das liegt vielleicht auch daran, dass wir alle nach den Eindrücken aus Estland und Lettland schon einigermaßen erschöpft waren. Sind drei Länder in gut zwei Wochen dann doch zu viel? Gut, wenn man genügend Fotos gemacht hat, denn dann kann man seinen Urlaub entspannt zu Hause noch einmal erleben, und genau so erging es mir bei der Fertigstellung dieses Albums.
Überblick
Es geht ganz oben auf der Karte los, wo wir von Lettland aus über die grüne Grenze nach Litauen einreisten. Der Reisetag sollte ziemlich lang werden, beginnend in Rīga (vgl. Lettland) und in Klaipėda endend.
Zunächst statteten wir dem Herrenhaus Pankruojis einen Besuch ab, dann schauten wir uns den Berg der Kreuze an. Es ging dann drei lange Stunden Richtung Süden und Westen, bis wir Klaipėda (früher: Memel) erreichten. Nach einer Besichtigung von Klaipėda fuhren wir auf die Kurische Nehrung und verbrachten zwei Tage in Nida nahe der Grenze zu Russland auf der Nehrung (Gebiet Kaliningrad).
Weiter ging es nach Kaunas, dann zur Wasserburg Trakai. Dort bereiteten wir unser Mittagsessen zum Teil selbst zu: Kibinai, traditionelle Teigtaschen der dortigen karäischen Minderheit. Anschließend gelangten wir nach Vilnius, dessen Altstadt wir zu Fuß erkundeten. Zum Abschluss wanderten wir durch das Kulturreservat Kernavė, wo sich Spuren der Zivilisation über 10000 Jahre nachweisen lassen.
Klaipėda
Die Hafenstadt Klaipėda - früherer deutscher Name ist Memel - hat eine lange Geschichte aufzuweisen. Unser Besuchsprogramm (grüner Pfad) startete an der Börsenbrücke, die bei jeder Passage eines schweren Fahrzeugs ein unheimliches Rumpeln abgibt. Es ging weiter über den Platz der ehemaligen Johanniskirche, von der nach dem Krieg nichts übrig geblieben ist. Nach einer Wanderung durch die Altstadt trafen wir auf das Ännchen von Tharau und suchten uns etwas zu Mittag. Das offizielle Programm für Klaipėda war damit abgeschlossen, ich ging mit ein paar Mitreisenden entlang der orangen Route noch ein wenig durch die Straßen.
Der Bus holte uns später ab und brachte uns nach Nida auf die Kurische Nehrung.
Kaunas
Nach den entspannten Tagen auf der sonnigen Nehrung setzten wir unser Besichtigungsprogramm in Kaunas fort. Die Aussprache überrascht etwas, da das A fast wie ein O klingt, also fast wie [kownas]. Im Großen und Ganzen lief unsere Besichtigung entlang der Freiheitsallee. Wir schauten in die Kathedrale St. Peter und Paul, trafen auf den Fluss Memel und nahmen die Standseilbahn auf einen Aussichtspunkt (oranger Pfad).
Am Abend fuhren wir mit dem öffentlichen Bus von unserem Hotel (außerhalb der Karte) in die Innenstadt, gingen dort essen (wieder auf der Freiheitsallee) und liefen an der Garnisonskirche vorbei bis zum Hotel zurück.
Vilnius
In der Hauptstadt Litauens - Vilnius (früher Wilna) - nahmen wir unseren letzten Stadtrundgang in Angriff. Das Wetter schwächelte nach vielen sonnigen Tagen und ließ etwas Nieselregen auf uns hinab, aber gegen Mittag wurde es dann wieder sonnig. Zuerst ging es zum Tor der Morgendämmerung, danach am Präsidentenpalast vorbei zur Universität, wo wir das moderne Fresko "Die Jahreszeiten" auf uns wirken ließen. Gegen Mittag besichtigten wir die letzte Kirche im Programm, die Kathedrale von Vilnius.
Nachmittags fuhren wir hinaus aufs Land, Richtung Nordwesten. Im Kulturreservat Kernavė konnten wir noch einmal die Beine vertreten (wobei es mich heftig beim Abstieg von einer Holzbrücke hinlegte, aber alles war noch heil) und kehrten dann abends im Restaurant Lokys ein, wo ich mir ein ungewöhnliches Gericht (Bibergulasch) schmecken ließ.
Fotos
Öffentliche Bilder
Litauische Sprache
Wie schon bei den anderen Teilen, schauen wir noch einmal kurz auf die Sprache. Wenn Estnisch wie Finnisch klingt, Lettisch ein bisschen wie Russisch, dann wäre bei Litauisch wohl das Polnische oberflächlich ähnlich. Sprachwissenschaftlich ist Litauisch besonders interessant, weil es unter den Abkömmlingen der indogermanischen Ursprache noch die meisten ursprünglichen Elemente zeigt.
Aber auch hier dürfen wir nicht hoffen, so einfach etwas zu verstehen. Leider unterscheiden sich wiederum viele Wörter vom Lettischen, also beispielsweise die Straße, die auf Litauisch gatvė heißt. Man muss wohl Lettisch und Litauisch separat lernen, mit einem alleine kommt man beim anderen nicht durch.
Die Schreibung ist nicht ganz so phonetisch wie im Lettischen, aber noch immer erlernbar. Die Palatalisierungen (der eingeschobene "J"-Laut) sind hier nicht mehr bezeichnet, jeder Konsonant außer J kann in zwei Varianten auftauchen (palatalisiert und nicht-palatalisiert), also b und bj, d und dj, t und tj und so weiter.
Besonders für Litauisch ist das Häkchen ("Ogonek") unter einigen Vokalen, was man vielleicht schon im Polnischen gesehen hat, aber hier nur eine Längung bedeutet. Die Buchstabenfolge "ia" wird wie ein E ausgesprochen, woran man denken sollte, wenn man Ortsnamen wie Šiauliai vorfindet, weil das dann wie "sche-ulej" zu lesen ist. Y ist ein langes I.
Es gibt ein Haček für das C, S und Z:
- č = "tsch"
- š = "sch"
- ž = "sch" stimmhaft (wie bei Journal)
Die letzte ungewöhnliche Markierung ist der Punkt über einigen E, wie er im Wort gatvė zu sehen ist. Damit wird ein geschlossenes E wie im deutschen "See" bezeichnet (nicht wie in "hell").
Das Litauische kennt zudem Töne, also Änderungen der Intonation der Vokale. Der so genannte Schleifton wird mit einer Tilde angezeigt und bewirkt, dass ein Laut über seine gesamte Länge gleich laut gesprochen wird. Bei einem Stoßton (mit Akzent) fällt die Lautstärke schnell ab, während der Laut gesprochen wird. Meist werden die Töne aber nicht angezeigt.
Und zum Vergleich nochmal die ersten 5 Zahlen:
| Zahl | Litauisch |
| 0 | nùlis |
| 1 | víenas |
| 2 | dù |
| 3 | trỹs |
| 4 | keturì |
Auch im Litauischen hat Deutschland einen ungewöhnlichen Namen, nämlich Vokietija, also sehr dem lettischen Begriff ähnlich. Die Wortabstammung wird entsprechend aus dem Lettischen angenommen.
Und nun auf Litauisch: O dabar mėgaukitės mano nuotraukomis iš Lietuvos!